Abmahn-Gefahr 2026: CE-Kennzeichnung & Rechtssicherheit

von Dominik Reuter | Apr. 2, 2026

Abmahn-Gefahr 2026: CE-Kennzeichnung & Rechtssicherheit

Die neue Abmahnwelle: Warum E-Commerce-Einsteiger jetzt zittern

Stell dir vor, du wachst morgens auf, öffnest dein E-Mail-Postfach und findest statt der gewohnten Bestellbestätigungen ein Schreiben, das dir den Schweiß auf die Stirn treibt: Eine förmliche Abmahnung. Für viele E-Commerce-Einsteiger im DACH-Raum wird dieses Szenario gerade bittere Realität. Ein bekannter Name in der Szene, Rechtsanwalt Sandhage, ist wieder aktiv und hat eine neue Schwachstelle identifiziert, die besonders Dropshipper und junge Online-Händler hart trifft: Die fehlerhafte oder fehlende CE-Kennzeichnung.

Wie aktuelle Berichte zeigen, konzentrieren sich Abmahnungen derzeit massiv auf Verstöße gegen Kennzeichnungspflichten. Laut Informationen von Händlerbund stehen neben der CE-Kennzeichnung auch falsche geografische Angaben und fehlerhafte Grundpreise im Fokus. Wenn du glaubst, dass du als kleiner Händler unter dem Radar fliegst, irrst du dich gewaltig. Automatisierte Crawler scannen Shops und Marktplätze heute in Sekundenbruchteilen nach genau diesen Fehlern ab.

Das Problem mit der CE-Kennzeichnung: Mehr als nur ein Sticker

Viele Einsteiger im Bereich E-Commerce und Dropshipping behandeln die CE-Kennzeichnung wie eine Formsache. Das ist ein fataler Fehler. Das CE-Zeichen ist kein Qualitätssiegel, sondern eine Konformitätserklärung des Herstellers. Damit wird bestätigt, dass das Produkt alle geltenden EU-Richtlinien in Bezug auf Sicherheit, Gesundheitsschutz und Umweltschutz erfüllt.

Wenn du Produkte aus dem Nicht-EU-Ausland (z. B. via AliExpress oder direkt aus China) importierst und in Deutschland verkaufst, giltst du rechtlich oft als Quasi-Hersteller. Das bedeutet: Du bist voll verantwortlich dafür, dass die CE-Kennzeichnung nicht nur physisch auf dem Produkt und der Verpackung klebt, sondern dass auch die entsprechende technische Dokumentation vorliegt. Fehlt diese Kennzeichnung bei Produkten, für die sie zwingend vorgeschrieben ist (etwa Spielzeug, Elektronik oder PSA), handelst du wettbewerbwidrig – und lieferst Abmahnanwälten die perfekte Vorlage.

Nicht nur CE: Weitere teure Fehler im Visier

Die aktuelle Abmahnwelle beschränkt sich leider nicht nur auf das CE-Zeichen. Aktuelle Fälle zeigen, dass auch falsche geografische Angaben massiv abgemahnt werden. Wer Produkte als „Made in Germany“ bewirbt, obwohl wesentliche Fertigungsschritte im Ausland stattgefunden haben, begeht eine Irreführung der Verbraucher. Besonders für Einsteiger, die ihr Branding auf Regionalität aufbauen wollen, ist hier höchste Vorsicht geboten.

Ein weiterer Klassiker der Abmahnfallen ist die Grundpreisangabe. Wenn du Waren nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche verkaufst, musst du zwingend den Preis pro Mengeneinheit (z. B. pro Kilo oder Liter) in unmittelbarer Nähe zum Endpreis angeben. Viele Shopsysteme sind hier zwar besser geworden, doch bei individuellen Konfigurationen oder Bundles schleichen sich immer wieder Fehler ein. Diese Verstöße gegen die Preisangabenverordnung (PAngV) sind für Abmahner wie Sandhage „leicht verdientes Geld“.

Dropshipping-Falle: Wer haftet, wenn das Siegel fehlt?

Im Dropshipping hast du die Ware oft nie selbst in der Hand. Genau hier liegt das Risiko. Du vertraust darauf, dass dein Lieferant in Shenzen weiß, was er tut. Doch am Ende stehst du als Vertragspartner gegenüber dem Kunden und den Behörden gerade. Wenn ein Kunde ein elektronisches Gadget ohne CE-Kennzeichnung erhält und dieses einen Kurzschluss verursacht, haftest du im schlimmsten Fall nicht nur zivilrechtlich für den Schaden, sondern musst auch mit hohen Bußgeldern der Marktüberwachungsbehörden rechnen.

Oft versuchen Händler auch, sich als „Privatverkäufer“ zu tarnen, um diesen strengen Regeln zu entgehen. Doch die Rechtsprechung ist hier gnadenlos: Wer regelmäßig Waren mit Gewinnerzielungsabsicht anbietet, handelt gewerblich. Ein aktuelles Beispiel zeigt, dass selbst vermeintliche Gelegenheitsverkäufe, bei denen Produkte deutlich teurer online als im Laden angeboten werden, schnell als gewerbliches Handeln eingestuft werden können (Quelle: Händlerbund). Werde dir also deiner Rolle als Profi-Händler bewusst und sichere dich ab.

Checkliste: So machst du deinen Shop abmahnsicher

Damit du nachts wieder ruhig schlafen kannst, solltest du folgende Schritte sofort umsetzen:

  • Produktsortiment prüfen: Überprüfe, welche deiner Produkte unter die CE-Kennzeichnungspflicht fallen (Elektrogeräte, Spielzeug, Batterien, etc.).
  • Zertifikate anfordern: Lass dir von deinen Lieferanten die EG-Konformitätserklärung und Testberichte zeigen. Ein bloßes „Yes, CE available“ im Chat reicht nicht aus!
  • Impressum & AGB checken: Sind deine Rechtstexte aktuell? Nutze professionelle Generatoren oder Dienstleister.
  • Grundpreise kontrollieren: Gehe stichprobenartig deine Artikelbeschreibungen durch. Wird der Grundpreis überall korrekt angezeigt?
  • Vertragsmanagement professionalisieren: Behalte deine Vereinbarungen mit Dienstleistern und Partnern im Blick. Der Händlerbund hat hierfür beispielsweise ein neues kostenfreies Vertrags-Tool gestartet, das dir hilft, Ordnung in dein Business zu bringen.

Fazit: Vorsorge ist günstiger als der Anwalt

E-Commerce im DACH-Raum ist kein rechtsfreier Raum. Die aktuelle Aktivität von Abmahnanwälten wie Sandhage zeigt deutlich, dass gerade Details wie die CE-Kennzeichnung und Preisangaben über Erfolg oder Ruin entscheiden können. Als Einsteiger solltest du Rechtssicherheit nicht als lästige Pflicht, sondern als Investition in dein Business betrachten. Eine einzige Abmahnung kostet oft mehr als die Mitgliedschaft in einem Rechtsschutzverband für zwei Jahre. Handle proaktiv, bevor der gelbe Brief im Kasten liegt!

Dominik Reuter

Dominik Reuter

Ich verbinde akademisches Fundament (B.Sc. E-Commerce, THWS Würzburg-Schweinfurt) mit echter Praxis-Erfahrung. Durch eigene Launches und die Arbeit mit Top-Marken verstehe ich die Herausforderungen moderner Webshops – von der UX bis zum Fulfillment. Datengetrieben, strategisch, umsetzungsstark.