Seite auswählen

Rabatt-Falle 2026: Was du vom About-You-Urteil lernen musst

von Dominik Reuter | Apr. 10, 2026

Rabatt-Falle 2026: Was du vom About-You-Urteil lernen musst

Der Preis ist heiß – aber oft illegal

Rabattaktionen sind das Lebenselixier im E-Commerce. Egal ob Sale, Black Friday oder Saison-Räumung: Nichts konvertiert besser als ein roter Streichpreis. Doch für dich als Online-Händler lauert hier eine der gefährlichsten Rechtsfallen im deutschen Markt. Ein aktuelles Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Hamburg gegen den Fashion-Riesen About You rüttelt die Branche wach und zeigt unmissverständlich, dass die Schonfrist für unsaubere Preisangaben endgültig vorbei ist.

Wenn du in deinem Shop mit Rabatten wirbst, musst du die sogenannten 30-Tage-Regel der Preisangabenverordnung (PAngV) punktgenau umsetzen. Wer hier schlampt, riskiert nicht nur eine Abmahnung, sondern verliert auch massiv an Vertrauen bei seinen Kunden. In diesem Artikel erfährst du, was das About You-Urteil für dein Tagesgeschäft bedeutet und wie du deine Rabatte rechtssicher gestaltest.

Das Urteil: Warum About You den Kürzeren zog

Im Kern ging es bei dem Rechtsstreit um die Art und Weise, wie Rabatte berechnet und dargestellt wurden. Viele Händler neigen dazu, den „Streichpreis“ künstlich hoch anzusetzen – oft basierend auf der unverbindlichen Preisempfehlung (UVP) oder einem Preis, der nur für wenige Tage verlangt wurde. Das OLG Hamburg stellte klar: Das ist irreführende Werbung.

Gemäß § 11 der Preisangabenverordnung musst du bei jeder Preisermäßigung den niedrigsten Gesamtpreis angeben, den du innerhalb der letzten 30 Tage vor der Ermäßigung gegenüber Verbrauchern angewendet hast. About You hatte hier Lücken in der Darstellung, was die Richter als klaren Verstoß gegen den Verbraucherschutz werteten. Für dich bedeutet das: Dein „alter“ Preis darf nicht irgendein Fantasiepreis sein, sondern muss nachweislich der günstigste Preis der letzten vier Wochen gewesen sein.

Die 30-Tage-Regel: Dein Fahrplan zur Rechtssicherheit

Um rechtssicher zu agieren, solltest du dein Shopsystem (egal ob Shopify, WooCommerce oder Shopware) so konfigurieren, dass es die Preishistorie korrekt loggt. Hier sind die wichtigsten Punkte, die du beachten musst:

  • Referenzpreis bestimmen: Bevor du ein Produkt reduzierst, musst du prüfen, was der günstigste Preis in den letzten 30 Tagen war. Dieser Wert ist dein Pflicht-Referenzpreis.
  • Transparente Kennzeichnung: Der Kunde muss auf den ersten Blick erkennen, worauf sich der Rabatt bezieht. Formulierungen wie „Unser niedrigster Preis der letzten 30 Tage: X Euro“ sind hier die sicherste Bank.
  • Achtung bei Preis-Hopping: Wenn du die Preise deiner Produkte häufig änderst (Dynamic Pricing), wird die Berechnung kompliziert. Jeder „Tiefstpreis“ setzt die 30-Tage-Frist für den nächsten Rabatt quasi neu.

Die zweite Abmahnfalle: Werbung mit Selbstverständlichkeiten

Neben den Rabatten gibt es eine weitere Falle, in die gerade Einsteiger oft tappen, während sie versuchen, besonders seriös zu wirken. Es klingt logisch, mit „2 Jahren Gewährleistung“ zu werben, um Vertrauen aufzubauen. Doch Vorsicht: Das ist eine klassische Abmahnfalle.

In Deutschland ist die zweijährige Mängelhaftung (Gewährleistung) gesetzlich vorgeschrieben. Wenn du diese als besonderen Vorteil hervorhebst, betreibst du Werbung mit Selbstverständlichkeiten. Das ist wettbewerbswidrig, da es dem Kunden suggeriert, er bekäme bei dir eine Zusatzleistung, die ihm eigentlich ohnehin zusteht. Gleiches gilt für Aussagen wie „Versicherter Versand“ oder „Originalware“ – alles Dinge, die im E-Commerce Standard sein müssen.

Materialangaben und Markenrecht: Kleine Fehler, teure Folgen

Das aktuelle Abmahngeschehen zeigt zudem, dass auch bei Produktbeschreibungen höchste Vorsicht geboten ist. Besonders bei Mode und Accessoires müssen Materialangaben (Textilkennzeichnung) exakt sein. Wer „Leder“ schreibt, wo nur Kunstleder verarbeitet wurde, oder ungenaue Angaben zu Faseranteilen macht, landet schneller auf dem Schreibtisch eines Abmahnanwalts, als er „Sale“ sagen kann.

Auch sogenannte Parfum-Dupes stehen aktuell im Fokus. Wer sein Produkt mit Formulierungen wie „Riecht wie [Markenname]“ bewirbt, verstößt gegen das Markenrecht. Aktuelle Abmahnfälle zeigen, dass Markenhersteller hier 2026 extrem aggressiv vorgehen, um ihre Exklusivität zu schützen.

Checkliste: So prüfst du deinen Shop

Damit du nachts ruhig schlafen kannst, solltest du folgende Punkte in deinem Backend und Frontend sofort kontrollieren:

  1. Rabatt-Logik: Zieht mein Shop automatisch den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage als Streichpreis-Referenz?
  2. Text-Check: Habe ich Begriffe wie „2 Jahre Gewährleistung“ oder „versicherter Versand“ in meinen Produktbeschreibungen oder im Footer stehen? Wenn ja: Sofort löschen!
  3. Material-Konformität: Sind alle Materialangaben gemäß der Textilkennzeichnungsverordnung hinterlegt?
  4. Markennamen: Verwende ich fremde Markennamen zu Vergleichszwecken in meinen Titeln oder Meta-Tags?

Fazit: Professionalität schlägt Schnelligkeit

Der DACH-Markt ist einer der rechtlich anspruchsvollsten E-Commerce-Märkte weltweit. Das About-You-Urteil ist ein klares Signal: Die Behörden und Wettbewerbsverbände schauen 2026 genauer hin als je zuvor. Rechtssicherheit ist kein lästiges Extra, sondern ein Fundament deines Erfolgs. Investiere die Zeit, deine Preisauszeichnung und Produkttexte rechtlich abzusichern. Eine einzige Abmahnung kostet dich oft mehr als der gesamte Gewinn deiner nächsten Marketing-Kampagne. Sei transparent, ehrlich und halte dich an die 30-Tage-Regel – deine Kunden und dein Bankkonto werden es dir danken.

Dominik Reuter

Dominik Reuter

Ich verbinde akademisches Fundament (B.Sc. E-Commerce, THWS Würzburg-Schweinfurt) mit echter Praxis-Erfahrung. Durch eigene Launches und die Arbeit mit Top-Marken verstehe ich die Herausforderungen moderner Webshops – von der UX bis zum Fulfillment. Datengetrieben, strategisch, umsetzungsstark.