
Fast jedes vierte Paket, das ein Onlineshop in Deutschland verschickt, kommt zurück. Die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg rechnet für 2026 mit 560 Millionen Retourenpaketen, so vielen wie nie. Für 2025 kommt sie auf rund 542 Millionen.
Die Quote selbst ist dabei nicht gestiegen. Die Forscher setzen sie weiterhin bei 24,2 Prozent an. Mehr Retouren gibt es, weil insgesamt mehr online bestellt wird. Knapp sechs Wochen vor Black Friday am 27. November ist das für dich vor allem eine Rechenaufgabe.
Was hinter den Zahlen steckt
Die 560 Millionen sind eine Hochrechnung und keine Zählung. Die Bamberger Gruppe kombiniert das erwartete Paketaufkommen mit der Quote aus dem Europäischen Retourentacho 2022 und nennt diese Annahme selbst konservativ.
Der Großteil kommt aus einer Branche. Auf das Modesegment entfallen laut Forschungsgruppe etwas über 80 Prozent der Retourenpakete und rund 90 Prozent der zurückgeschickten Artikel.
Retourenforscher Björn Asdecker hält es für möglich, dass die Quote künftig sogar steigt, und zwar wegen des Smartphones. „Auf Smartphone-Apps wird schneller gekauft“, sagte er laut heise. „Es werden weniger Informationen konsumiert, bevor man den Bestellbutton drückt.“
Was eine Retoure kostet
Laut EHI zahlt etwa jeder fünfte Händler pro Rücksendung mehr als 10 Euro. Rund zwei Drittel dieser Kosten entfallen auf den Rücktransport. Dazu kommen Prüfung, Aufbereitung und Wiedereinlagerung, und nicht jede Rücksendung lässt sich danach noch zum vollen Preis verkaufen.
Viele Händler bieten den Rückversand trotzdem kostenlos an und legen die Kosten auf ihre Preise um, schreibt heise. Die Retouren einzelner Kunden bezahlen damit am Ende alle.
Bei einem Produkt mit 8 Euro Deckungsbeitrag frisst eine einzige Retoure für 10 Euro den Gewinn aus mehr als einem Verkauf. Rechne deine Aktionen deshalb mit dem Deckungsbeitrag nach Retouren, wenn du Rabatte für die Black Week planst.
Warum die Black Week erst im Februar abgerechnet ist
Darauf weist die Retourenplattform Toern in einer Pressemitteilung hin. Mehr als die Hälfte der Kunden kauft laut HDE und IFH Köln am Black Friday bereits Weihnachtsgeschenke. Ein Teil davon kommt erst nach den Feiertagen zurück, wenn die Dezemberzahlen längst gut aussehen.
Eine belastbare Bilanz gibt es deshalb erst im Februar. Wer den Erfolg seiner Rabatte im Dezember am Umsatz misst, überschätzt ihn.
Auch das Tempo zählt. Laut EHI braucht mehr als jeder vierte Händler drei bis vier Tage, um eine Retoure zu bearbeiten, so zitiert es Toern. Wer im Januar mit Rückläufern zugeschüttet wird und erst nach Wochen erstattet, verärgert genau die Neukunden, die er im November gewonnen hat.
So senkst du deine Retouren vor dem Ansturm
Schau dir zuerst deine Retourenquote pro Produkt an und nicht nur den Durchschnitt über den ganzen Shop. Oft stechen einzelne Artikel deutlich heraus.
Lies dann die Rücksendegründe. „Zu klein“, „Farbe anders als erwartet“ oder „nicht wie beschrieben“ zeigen dir, wo die Produktseite nachbessern muss.
Nimm Asdeckers Hinweis ernst und prüf deine Produktseiten auf dem Smartphone. Größentabelle, Maße und Material sollten dort weit oben stehen, weil mobil weniger gelesen wird.
Was du dagegen lassen solltest: die Rücksendung absichtlich umständlich zu machen. Laut einer DHL-Studie, auf die sich Toern beruft, kaufen knapp drei Viertel der deutschen Onlineshopper nicht bei Marken, denen sie bei Retouren misstrauen. Klare Rückgabebedingungen dürften dir beim Verkauf also eher helfen als schaden.
Biete Umtausch aktiv an. Laut einer Befragung des Retourendienstleisters Loop, die Toern zitiert, würden fast neun von zehn Kunden umtauschen, wenn der Ablauf einfach genug ist. Ein Umtausch hält den Umsatz im Shop, eine Erstattung nicht. Wie du Rücksendungen insgesamt organisierst, steht im Glossar unter Retourenmanagement.
Was du diese Woche erledigen solltest
Zieh die Retourenquote deiner zehn umsatzstärksten Produkte aus deinem Shopsystem und notier dir die drei häufigsten Rücksendegründe.
Überarbeite bei den Ausreißern die mobile Produktseite, bevor du sie in deine Black-Week-Aktion nimmst. Und plan im Januar Zeit für die Rückläufer ein, damit Erstattungen nicht liegen bleiben.