
Du verkaufst auf Etsy und zeigst deine Produkte bisher nur auf KI-Bildern oder stark bearbeiteten Fotos? Dann musst du nacharbeiten.
Etsy hat am 22. Oktober seine Regeln für KI und Produktbilder verschärft. Die meisten Angebote brauchen künftig mindestens ein unbearbeitetes Foto des echten Artikels vor einem echten Hintergrund. Laut etailment gilt das auch für bestehende Angebote.
Was Etsy angekündigt hat
Die Änderungen stehen im Etsy Seller Handbook und in einer neuen Fassung der Richtlinie für Angebotsbilder. Geschrieben hat die Ankündigung James Ossman, bei Etsy Vice President Customer Operations. KI solle die Kreativität der Verkäufer unterstützen und nicht ersetzen, zitiert ihn PPC Land.
Neben der Fotopflicht gibt es zwei weitere Änderungen. Schnittmuster, Rezepte und andere Anleitungen dürfen nicht mehr von einer KI stammen. Und Angebote, die ein Bot ohne menschliches Zutun erstellt, sind verboten.
Einen Stichtag oder eine Übergangsfrist nennt Etsy nicht. Ossman spricht von einem ersten Schritt. Das Entfernen von Angeboten, die gegen die Regeln verstoßen, will Etsy in den kommenden Monaten ausweiten.
Was als unbearbeitetes Foto zählt
Gemeint ist ein Foto genau des Artikels, den der Käufer bekommt, aufgenommen vor einem echten Hintergrund. An diesem Bild ist laut Value Added Resource, das die neue Richtlinie ausgewertet hat, keine Bearbeitung erlaubt. Also kein Zuschneiden, kein Skalieren, kein Geraderücken, keine Lichtkorrektur und kein neuer Hintergrund.
Für alle weiteren Bilder bleibt Bearbeitung erlaubt, auch mit KI. Sie müssen die Ware aber so zeigen, wie sie beim Kunden ankommt. Etsy empfiehlt, KI-Bearbeitung in der Artikelbeschreibung anzugeben.
Was noch offen ist
Ob das unbearbeitete Foto das Hauptbild sein muss, geht aus den bisherigen Berichten nicht hervor. Unklar ist laut Value Added Resource auch, wie Etsy die automatische Bildbearbeitung moderner Smartphone-Kameras bewertet.
Strenger als das Gesetz
Ein echtes Produktfoto vor einem KI-Hintergrund musst du rechtlich in der Regel nicht kennzeichnen. Das haben wir in unserer News zur KI-Kennzeichnung im Shop erklärt. Auf Etsy reicht so ein Bild allein künftig aber nicht mehr.
Ausnahmen für Print-on-Demand und Downloads
Nicht jedes Angebot lässt sich vor dem Verkauf fotografieren. Für diese Fälle sieht die neue Richtlinie laut Value Added Resource eigene Regeln vor:
| Angebot | Was du zeigen musst |
|---|---|
| Print-on-Demand mit Produktionspartner, etwa T-Shirts oder Tassen | autorisierte Mockups bleiben erlaubt |
| personalisierte Artikel und Auftragsarbeiten | echte Beispiele früherer Arbeiten |
| digitale Downloads wie E-Books oder Planer | Vorschau oder Auszug des echten Inhalts |
| Audiodateien und andere Downloads ohne Bildinhalt | repräsentative Bilder, auch von einer KI, solange sie nicht täuschen |
| Schnittmuster, Rezepte, Saatgut | mindestens ein echtes Foto des fertigen Ergebnisses |
Für Print-on-Demand ist das die wichtigste Nachricht. Wer mit einem Produktionspartner Standardware bedruckt, kann weiter mit Mockups arbeiten. Die Mockups müssen aber zeigen, was beim Kunden ankommt.
Welche Pflichten Etsy für Printful-Verkäufer schon vorher eingeführt hat, steht in unserem Printful-Test.
KI-Anleitungen und Bot-Angebote fliegen raus
Bei Strick-, Häkel- und Nähmustern, Rezepten oder Bauplänen zieht Etsy eine klare Grenze. Die Anleitung, auf die sich der Käufer verlässt, muss von dir stammen und nicht von einer KI. Im Angebot muss ein echtes Ergebnis zu sehen sein, das nach der Anleitung entstanden ist.
Angebote, die ein Bot ohne menschliche Beteiligung erstellt, entfernt Etsy. Auch der Shop kann dann gesperrt werden.
KI-Kunst bleibt erlaubt. Voraussetzung ist, dass du selbst kreativ beteiligt bist und offenlegst, dass du KI genutzt hast.
Wie Etsy die Regeln durchsetzt
Beim Hochladen soll das Angebotsformular künftig warnen, wenn Etsy ein KI-generiertes Bild erkennt. Später will Etsy diese Hinweise auch auf bestehende Angebote ausweiten.
Käufer bekommen eine neue Möglichkeit, Angebote mit irreführenden KI-Bildern zu melden. Diese Meldungen führen laut Etsy vorerst nicht sofort zu Sanktionen.
Weicht ein Artikel deutlich von seinen Bildern ab und eröffnet der Käufer einen Fall, musst du ihm unter Umständen das Geld erstatten. Wiederholte Verstöße können bis zur Schließung des Shops führen. Widersprechen kannst du über die Seite zu Richtlinienverstößen im Shop-Manager.
Was du jetzt tun solltest
- Geh deine Angebote durch und notier alle, die kein unbearbeitetes Foto des echten Artikels haben. Fang mit den Artikeln an, die am meisten verkaufen.
- Fotografier diese Artikel vor einem echten Hintergrund, etwa auf einem Tisch am Fenster, und lade das Bild ohne Nachbearbeitung hoch.
- Bei Print-on-Demand prüfst du, ob deine Mockups Farbe, Druck und Schnitt so zeigen, wie die Ware ankommt. Im Zweifel bestellst du ein Muster und fotografierst es.
- Bei Schnittmustern und Rezepten fotografierst du ein selbst gemachtes Ergebnis. Anleitungen, die eine KI geschrieben hat, nimmst du aus dem Shop.
- Hast du Bilder mit KI bearbeitet, schreib das in die Artikelbeschreibung, wie Etsy es empfiehlt.