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Textilkennzeichnung: Neue Pflicht für deinen Checkout

von Dominik Reuter | Aug. 19, 2026

Textilkennzeichnung: Neue Pflicht für deinen Checkout

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Für rechtliche Fragen wende dich bitte an einen qualifizierten Rechtsanwalt.

Abmahngefahr bei Textilien: Das aktuelle Urteil

Wenn du Mode, Heimtextilien oder andere Stoffprodukte in deinem Onlineshop verkaufst, musst du jetzt ganz genau hinschauen. Ein aktuelles Urteil sorgt derzeit für Unruhe in der E-Commerce-Szene: Die Materialangaben müssen zwingend bereits in der Bestellübersicht (dem sogenannten Check-out vor dem Kaufabschluss) angezeigt werden. Es reicht nicht mehr aus, diese Informationen nur auf der Produktdetailseite vorzuhalten.

Für dich als Online-Händler bedeutet das eine sofortige Handlungsnotwendigkeit. Wer diese Details im letzten Schritt des Bestellprozesses weglässt, riskiert kostspielige Abmahnungen. Die rechtliche Grundlage ist die sogenannte Textilkennzeichnungsverordnung in Kombination mit den Informationspflichten im Fernabsatzrecht. Das Gericht hat klargestellt, dass die Materialzusammensetzung ein „wesentliches Merkmal“ der Ware ist, das unmittelbar vor der Abgabe der Bestellung sichtbar sein muss.

Warum die Produktseite allein nicht mehr ausreicht

Bisher gingen viele Shopbetreiber davon aus, dass es genügt, wenn der Kunde auf der Produktseite über die Zusammensetzung (z. B. 100 % Baumwolle) informiert wird. Schließlich landet der Kunde dort zuerst, bevor er den Artikel in den Warenkorb legt. Doch die Rechtsprechung sieht das strenger: Die Button-Lösung schreibt vor, dass alle kaufentscheidenden Informationen direkt vor dem Klick auf den „Zahlungspflichtig bestellen“-Button zusammengefasst werden müssen.

Da der Kunde im Check-out oft noch einmal seine Auswahl überprüft, muss er dort auch sehen können, woraus das Produkt besteht, ohne noch einmal zurück zur Produktseite navigieren zu müssen. Ein aktuelles Urteil zwingt Shops mit Textilartikeln im Sortiment nun dazu, diese Daten im Checkout explizit auszuweisen. Das Ziel des Gesetzgebers ist maximale Transparenz für den Verbraucher in der finalen Phase des Kaufs.

Was du jetzt konkret im Checkout anzeigen musst

Es geht nicht nur um einen vagen Hinweis. Du musst die vollständige Materialzusammensetzung angeben. Das bedeutet:

  • Die Angabe der Fasertypen (z. B. Polyester, Elasthan, Wolle).
  • Die prozentuale Gewichtung der Fasern (z. B. 95 % Bio-Baumwolle, 5 % Elasthan).
  • Die Bezeichnung der Fasern muss exakt den Vorgaben der Textilkennzeichnungsverordnung entsprechen.

Wichtig: Abkürzungen wie „BW“ für Baumwolle oder „PES“ für Polyester sind nicht zulässig. Du musst die Begriffe ausschreiben. Zudem müssen die Angaben leicht lesbar und deutlich sichtbar sein. Ein versteckter Link oder ein winziger Text am Ende der Seite könnte im Falle eines Rechtsstreits als unzureichend gewertet werden.

Wer ist von der neuen Regelung betroffen?

Die Pflicht gilt für fast alle Produkte, die zu mindestens 80 Gewichtsprozent aus Textilfasern bestehen. Dazu gehören klassischerweise:

  • Bekleidung (T-Shirts, Hosen, Jacken).
  • Heimtextilien (Bettwäsche, Vorhänge, Handtücher).
  • Accessoires (Schals, Mützen, bestimmte Taschen).
  • Möbelbezüge und Kissen.

Solltest du als Einsteiger gerade erst dein Sortiment aufbauen, achte von Anfang an darauf, diese Daten strukturiert in deinem Shopsystem zu hinterlegen. Wenn du beispielsweise auf Marktplätzen wie Amazon verkaufst, gibt es dort oft ähnliche Bestrebungen, die Transparenz zu erhöhen. Aber Vorsicht: Während Marktplätze oft eigene Felder dafür haben, liegt die Verantwortung in deinem eigenen Onlineshop (Shopify, WooCommerce, Shopware etc.) allein bei dir.

Praxis-Check: So setzt du die Vorgaben technisch um

Die Herausforderung für viele Einsteiger ist, dass Standard-Templates im Check-out oft nur den Produktnamen, die Menge und den Preis anzeigen. Die Materialzusammensetzung wird standardmäßig meist ausgeblendet. Hier sind deine Optionen zur Umsetzung:

1. Anpassung des Checkout-Templates: Wenn du Shopify nutzt, kannst du über Liquid-Anpassungen (oder bei Shopify Plus über die Checkout Extensibility) zusätzliche Produktattribute in der Bestellzusammenfassung ausgeben. Bei WooCommerce lassen sich diese Informationen über Hooks in der review-order.php einfügen.

2. Ergänzung im Produktnamen: Eine „Quick and Dirty“-Lösung, die oft gewählt wird, ist die Aufnahme der Materialangabe direkt in den Produkttitel (z. B. „T-Shirt Organic Blue – 100% Baumwolle“). Das ist zwar optisch nicht immer elegant, stellt aber sicher, dass die Information in jedem Schritt des Checkouts automatisch mitgeführt wird.

3. Nutzung von Apps oder Plugins: Es gibt spezielle Plugins für die „Rechtssicherheit in Deutschland“, die den Checkout automatisch um die notwendigen Pflichtangaben wie Grundpreise oder eben Materialeigenschaften erweitern. Prüfe, ob dein Anbieter bereits ein Update für dieses spezifische Urteil ausgerollt hat.

Fazit: Schnelles Handeln schützt vor teuren Fehlern

Die Abmahngefahr im deutschen E-Commerce ist real, und rechtliche Feinheiten wie die Textilkennzeichnung sind beliebte Ziele für Konkurrenten oder Abmahnvereine. Auch wenn es mühsam erscheint, den Checkout technisch anzupassen, ist es eine essentielle Investition in die Sicherheit deines Business.

Prüfe am besten sofort deinen eigenen Bestellprozess: Gehe als Testkunde durch deinen Shop bis zum letzten Schritt. Siehst du bei Textilprodukten die Materialzusammensetzung in der Zusammenfassung? Wenn nein, solltest du noch heute aktiv werden. Übrigens: Wenn du dich auch fragst, wer im Falle einer Rücksendung die Kosten für das Label trägt, wenn der Kunde selbst vorab gezahlt hat, findest du hier eine Klärung zu Rücksendeetiketten und Erstattungspflichten.

Dein Handlungsaufruf: Erstelle eine Liste aller Textilartikel in deinem Shop und stelle sicher, dass die Materialdaten nicht nur im Backend, sondern auch im Frontend an den entscheidenden Stellen ausgegeben werden. Rechtssicherheit ist kein einmaliges Projekt, sondern ein dauerhafter Prozess.

Dominik Reuter

Dominik Reuter

Ich verbinde akademisches Fundament (B.Sc. E-Commerce, THWS Würzburg-Schweinfurt) mit echter Praxis-Erfahrung. Durch eigene Launches und die Arbeit mit Top-Marken verstehe ich die Herausforderungen moderner Webshops – von der UX bis zum Fulfillment. Datengetrieben, strategisch, umsetzungsstark.